Pferd auf einer Kräuterwiese mit Kamille und Löwenzahn

Heilkräuter für Pferde – wenn westliches Kräuterwissen auf TCVM trifft

Kamille, Brennnessel, Löwenzahn oder Mariendistel kennen viele Pferdehalterinnen. Manche wachsen direkt vor unserer Haustür, andere stehen längst selbstverständlich im Kräuterregal.

Und dann gibt es Namen wie Huang Qi, Bai Zhu oder Chen Pi – Heilkräuter, die aus der Traditionellen Chinesischen Medizin stammen und uns zunächst deutlich fremder erscheinen.

Doch müssen wir uns eigentlich zwischen westlichen und chinesischen Kräutern entscheiden?

Ich finde: nein.

Denn beide Kräuterwelten können uns unterschiedliche Blickwinkel auf ein Pferd eröffnen.

Westliche Heilkräuter – vieles davon wächst direkt vor unserer Nase

Die europäische Kräuterkunde hat eine lange Tradition. Viele Pflanzen, die darin verwendet werden, begegnen uns ganz selbstverständlich auf Wiesen, an Wegrändern oder in unseren Gärten.

Brennnessel, Löwenzahn, Schafgarbe, Hagebutte, Thymian oder Artischocke sind nur einige Beispiele.

Bei der Auswahl kann betrachtet werden, welche Pflanzeninhaltsstoffe ein Kraut mitbringt und wofür es traditionell eingesetzt wird.

Für mich ist aber noch etwas anderes wichtig:

Nicht einfach zu fragen: „Welches Kraut nimmt man dafür?“ – sondern: „Was passt zu diesem Pferd?“

Chinesische Kräuter – eine andere Art, Pflanzen zu betrachten

In der Traditionellen Chinesischen Medizin werden Kräuter zusätzlich nach einem eigenen System eingeordnet.

Eine Rolle spielen unter anderem ihre thermische Qualität – beispielsweise wärmend oder kühlend –, ihr Geschmack, ihre Wirkrichtung und ihre Zuordnung zu bestimmten Funktionskreisen.

Damit verändert sich die Fragestellung.

Es geht nicht ausschließlich darum, welches Symptom sichtbar ist, sondern darum, welches Gesamtbild sich beim Pferd zeigt.

Ist eher Wärme oder Kälte vorhanden? Fehlt etwas – oder besteht irgendwo eine Fülle? Welche Funktionskreise zeigen Auffälligkeiten? Wie passen weitere Beobachtungen zum Gesamtbild?

Genau diese Art des Hinschauens entspricht auch meiner Arbeitsweise bei mindandhooves: Nicht eine einzelne Auffälligkeit isoliert betrachten, sondern versuchen, Zusammenhänge zu erkennen.

Westlich oder chinesisch? Warum nicht beides?

Besonders spannend finde ich die Verbindung beider Welten.

Denn manche Pflanzen kennen wir sowohl aus der westlichen Kräuterkunde als auch aus der chinesischen Medizin. Andere chinesische Kräuter haben wiederum westliche Pflanzen, die in bestimmten Bereichen ähnlich eingesetzt werden – auch wenn die dahinterliegenden Systeme nicht einfach eins zu eins gleichgesetzt werden können.

Und genau hier wird es interessant.

Was haben zum Beispiel chinesische und heimische Kräuter gemeinsam? Wo unterscheiden sie sich? Wie betrachtet die westliche Kräuterkunde eine Pflanze – und wie würde die TCVM sie einordnen? Und gibt es tatsächlich so etwas wie ein „westliches Gegenstück“ zu einem chinesischen Heilkraut?

Darum wird es in meiner neuen Kräuter-Reihe gehen.

Nicht die größte Mischung gewinnt

Ich arbeite gerne mit Einzelkräutern. Nicht, weil Mischungen grundsätzlich schlecht wären, sondern weil ich gerne nachvollziehen kann, warum welches Kraut enthalten ist.

Was möchte ich damit unterstützen? Passt es zum aktuellen Gesamtbild des Pferdes? Brauche ich dieses Kraut überhaupt? Und wie lässt es sich sinnvoll mit anderen Kräutern kombinieren?

Gerade wenn Pferde unterschiedliche Bedürfnisse haben, finde ich diese Flexibilität besonders wertvoll. Statt für jedes Thema eine fertige Mischung aus dem Regal zu nehmen, kann gezielter ausgewählt werden.

Das entspricht ziemlich genau dem Grundgedanken von mindandhooves: Genau hinsehen. Zusammenhänge erkennen. Individuell begleiten.

Demnächst: Chinesisches Kraut trifft westliches Kraut

Mit diesem Beitrag startet deshalb eine neue Reihe auf dem mindandhooves-Blog.

Ich werde einzelne Heilkräuter genauer vorstellen und dabei immer wieder beide Kräuterwelten miteinander verbinden: chinesische Heilkräuter, bekannte westliche Pflanzen, Gemeinsamkeiten, Unterschiede und die Frage, wann welches Kraut interessant sein kann.

Dabei soll kein trockenes Kräuterlexikon entstehen. Ich möchte vielmehr zeigen, wie vielseitig Pflanzen betrachtet werden können – und warum es sich lohnt, bei der Auswahl ein bisschen genauer hinzusehen.

Vielleicht begegnet dir dabei sogar das eine oder andere vermeintliche „Unkraut“ auf der Pferdeweide plötzlich mit ganz anderen Augen.

Welches Kraut soll ich mir in der Reihe als Erstes genauer ansehen?


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