Fünf Elemente im Jahreslauf · Teil 1: Metall und Herbst
Der Herbst verändert unseren Alltag am Stall. Es wird früher dunkel, die Pferde schieben Winterfell, und zwischen Arbeit, Füttern und den letzten hellen Stunden muss manches neu seinen Platz finden.
In der Traditionellen Chinesischen Medizin gehört diese Jahreszeit zum Element Metall. Mich interessiert daran besonders, wie sich dieser Blick auf den Jahreslauf mit unserem Alltag verbinden lässt – ohne aus jeder Veränderung gleich ein Problem zu machen.
Mit diesem Beitrag beginnt unsere Reihe über die fünf Elemente. Den Anfang macht Metall: mit Atmung, Haut und Fell, aber auch mit Struktur, Abschied und der Frage, was uns gerade guttut.
Was bedeutet das Metall-Element in der TCM?
Die fünf Elemente sind in der TCM Bilder für unterschiedliche Qualitäten und Veränderungen. Deshalb werden sie auch Wandlungsphasen genannt. Metall beschreibt unter anderem das Sammeln, Ordnen und Begrenzen – passend zur Zeit, in der das Wachstum draußen zurückgeht.
Die folgenden Zuordnungen beschreiben die Sicht der TCM auf den Jahreslauf und das Zusammenspiel von Körper und Gefühlen.
Zum Metall gehören in der TCM:
- der Herbst und die Trockenheit,
- die Funktionskreise Lunge und Dickdarm,
- die Nase als Sinnesöffnung,
- Haut, Körperbehaarung und beim Pferd das Fell,
- Trauer sowie das Thema Abschied und Loslassen.
Diese Zuordnungen geben uns eine erste Orientierung für die weitere Betrachtung.
Lunge und Dickdarm: mehr als zwei Organe
Wenn die TCM von einem Funktionskreis spricht, meint sie mehr als das anatomische Organ. Gemeint ist ein Bündel zugeordneter Aufgaben und Beziehungen.
Dem Funktionskreis Lunge werden neben der Atmung das Verteilen und Absenken des Qi zugeschrieben. Qi lässt sich hier vereinfacht als ein Konzept der TCM für Lebensaktivität verstehen. Auch die Versorgung der Körperoberfläche wird in diesem Modell der Lunge zugeordnet. Der Dickdarm steht für das Weiterleiten und Ausscheiden.
Daraus ergibt sich das vertraute Bild von Aufnehmen und Abgeben: Luft einatmen und ausatmen, Nahrung verarbeiten und Unverwertbares ausscheiden. Dieses Bild von Aufnehmen und Abgeben lässt sich auch als Anregung für den eigenen Alltag nutzen.
Warum gehören Nase, Haut und Fell dazu?
Die Nase gilt in der TCM als die Öffnung, über die sich der Funktionskreis Lunge nach außen zeigt. Haut und Körperbehaarung werden ebenfalls diesem Kreis zugeordnet. In der TCVM, also der Anwendung der chinesischen Medizin beim Tier, wird dabei auch das Fell betrachtet.
Das macht den Herbst zu einem passenden Anlass, auf Haut, Fellwechsel und Umgebung zu achten. Dabei betrachten wir Veränderungen immer zusammen mit Fütterung, Haltung, Gesundheit und der Vorgeschichte des Pferdes.
Trauer und Loslassen – ohne sich etwas abzuverlangen
Dem Metall wird die Emotion Trauer zugeordnet. Loslassen ist eine häufige Deutung dieses Zusammenhangs: Abschied nehmen, Veränderungen annehmen und erkennen, was bleiben darf.
Ich finde diesen Gedanken dann hilfreich, wenn daraus kein zusätzlicher Anspruch entsteht. Niemand muss im Herbst etwas abschließen, und Trauer braucht keinen Zeitplan.
Vielleicht reicht eine kleine Frage: Welche Verpflichtung kann gerade warten? Oder: Was möchte ich in die ruhigere Jahreszeit mitnehmen?
Beim Pferd bleiben wir bei dem, was wir beobachten können. Nach dem Verlust eines Herdenpartners können sich Kontaktverhalten, Fressen oder Aktivität verändern. Ein vertrauter Rahmen und aufmerksame Begleitung können in dieser Zeit besonders wertvoll sein.
Gibt es einen Metall-Typ beim Pferd?
In den Typenbeschreibungen der TCVM werden Metall-Pferde oft als aufmerksam, eher zurückhaltend und empfänglich für klare Abläufe beschrieben. Manche wirken in vertrauten Aufgaben sehr verlässlich und brauchen bei Veränderungen etwas Zeit.
Vielleicht erkennst du darin dein Pferd wieder. Vielleicht nur in einzelnen Situationen. Die Typenbeschreibungen laden dazu ein, die Eigenheiten des Pferdes bewusster wahrzunehmen.
Ein Pferd ist außerdem nicht nur „Metall“. Erfahrungen, Haltung, Gesundheit, Training und andere Typenanteile gehören ebenfalls zum Gesamtbild. Was ihm guttut, ergibt sich aus dieser individuellen Betrachtung.
Interessanter als die feste Zuordnung finde ich die Frage: Hilft meinem Pferd ein vertrauter Ablauf? Und wie viel Abwechslung tut ihm gut?
Was bedeutet ein Ungleichgewicht aus Sicht der TCM?
Innerhalb der TCM kann beispielsweise zwischen zu wenig Qi und zu wenig befeuchtenden Anteilen im Funktionskreis Lunge unterschieden werden. Vereinfacht geht es dabei um verschiedene Muster mit unterschiedlichen Bedürfnissen.
Trockenheit, verminderte Belastbarkeit oder Veränderungen von Atmung und Ausscheidung können in eine solche Betrachtung eingehen. Ihre Bedeutung ergibt sich in der TCVM-Beurteilung erst zusammen mit weiteren Beobachtungen.
Für den Alltag heißt das: Wir schauen genauer hin und beziehen bei körperlichen Beschwerden die medizinische beziehungsweise tierärztliche Abklärung ein.
Wie wir Menschen uns im Herbst unterstützen können
Essen, das im Alltag zu uns passt
In der TCM-Ernährungslehre werden im Herbst häufig gekochte, saftige Speisen empfohlen. Birnen gelten in dieser Ernährungslehre als befeuchtend; Suppen und Breie passen zur Vorstellung, Wärme und Flüssigkeit miteinander zu verbinden.
Eine gedünstete Birne zum warmen Frühstück oder eine Gemüse-Reis-Suppe sind einfache Möglichkeiten. „Befeuchtend“ beschreibt dabei die Qualität, die der Birne in der TCM zugeschrieben wird.
Auch mild-scharfe Zutaten wie etwas Lauch oder Rettich finden sich in den Herbstempfehlungen der TCM. Der scharfe Geschmack wird Metall zugeordnet. Dabei geht es um kleine, passende Mengen und darum, was dir persönlich bekommt.
Bewegung, Ruhe und ein kleines Ritual
Ein kurzer Spaziergang bei Tageslicht, regelmäßige Mahlzeiten und ein bewusst eingeplanter Feierabend können den Herbst übersichtlicher machen. Wähle daraus, was sich gut in deinen Tagesablauf einfügt.
Wer mag, bleibt nach dem Spaziergang einen Moment stehen und nimmt ein paar ruhige Atemzüge wahr – ohne besonders tief atmen oder etwas leisten zu müssen.
Mein Vorschlag für ein kleines Herbst-Ritual: eine Tasse warmes Getränk und eine einzige Notiz. Was hat heute gutgetan? Mehr muss daraus nicht werden.
Kräuter im Herbst: passend auswählen statt vorsorglich mischen
Zum Metall gehört in der TCM die Trockenheit. Dazu passen gedanklich Pflanzen, die in der westlichen Kräuterkunde wegen ihrer Schleimstoffe verwendet werden, etwa Eibischwurzel oder Malvenblüten. Schleimstoffe sind Pflanzenbestandteile, die mit Wasser quellen.
Bei Eibischwurzel gibt es für bestimmte menschliche Arzneizubereitungen eine anerkannte traditionelle Anwendung bei gereiztem Mund-Rachen-Raum und damit verbundenem trockenem Reizhusten. Diese Anwendung beruht auf langjähriger Erfahrung. Für Pferde werden Eignung und Zubereitung gesondert betrachtet.
Für mich sind solche Verbindungen zwischen Kräuterwissen und TCM interessant. Ob Eibisch zum jeweiligen Pferd passt, hängt unter anderem von Pflanzenteil, Zubereitung, Medikamenten und seiner individuellen Situation ab.
Auch unsere Herbstküche ist kein Futterplan fürs Pferd. Lauch und andere Zwiebelgewächse gehören nicht in den Pferdetrog. Birnen sind keine notwendige Herbstergänzung; gerade bei Stoffwechselproblemen sollte Obst nicht pauschal empfohlen werden.
Mehr zu meiner grundsätzlichen Herangehensweise findest du im Beitrag über westliche Kräuter und TCVM.
Was bedeutet das für mein Pferd?
Die Metall-Zuordnungen lenken den Blick auf Körperoberfläche und Atmung. Daraus lassen sich drei einfache Impulse ableiten, die zugleich zur allgemeinen guten Versorgung im Herbst gehören.
1. Beim Putzen nicht nur die losen Haare sehen
Nimm dir einen Moment für Haut und Fell: Gibt es Scheuerstellen, Krusten oder Bereiche, die dein Pferd ungern berühren lässt? Wie kommt es mit seinem dichteren Fell bei Bewegung zurecht?
Passe Pflege und Belastung an dein Pferd an. Eine Decke braucht es nicht allein deshalb, weil du selbst frierst. Fell, Schur, Witterung, Körperzustand und Schutzmöglichkeiten gehören gemeinsam betrachtet. Auffällige Hautveränderungen oder ein ungewöhnlicher Fellwechsel sollten bei Bedarf tierärztlich besprochen werden.
2. Die Luft auf Pferdehöhe prüfen
Geh an den Platz, an dem dein Pferd frisst oder ruht. Ist die Luft dort frisch? Staubt es beim Vorlegen des Heus oder beim Einstreuen? Bleiben Türen im Herbst häufiger geschlossen?
Guter Luftaustausch und möglichst wenig Staub sind allgemeine Grundlagen der Pferdehaltung. Feuchte Einstreu zu entfernen und staubige Stallarbeiten möglichst ohne Pferde im betroffenen Bereich zu erledigen, sind konkrete Ansatzpunkte. Kräuter ersetzen diese Grundlagen nicht.
3. Bewegung und Versorgung an die kürzeren Tage anpassen
Wird es früher dunkel, verändert sich oft unser Zeitplan. Prüfe, ob dein Pferd weiterhin passende Bewegungsmöglichkeiten, Ruhe und verlässlichen Zugang zu Raufutter und sauberem Wasser hat. Die Fütterung richtet sich nach seinem tatsächlichen Bedarf – nicht allein nach dem Kalender. Notwendige Umstellungen sollten schrittweise erfolgen.
Eine kleine Runde im Hellen kann für ein gesundes Pferd und seinen Menschen angenehm sein. Bei Erkrankungen oder Bewegungseinschränkungen gilt der individuell abgestimmte Plan. Beobachte auch, ob neue Abläufe deinem Pferd leichtfallen oder es dabei ungewöhnlich unruhig oder zurückgezogen wirkt.
Diese Beobachtungen helfen uns, Veränderungen früh wahrzunehmen und passende nächste Schritte zu finden: Genau hinsehen. Zusammenhänge erkennen. Individuell begleiten.
Welches Element erkennst du bei deinem Pferd wieder?
Wenn du dich mit den Typenmerkmalen der fünf Elemente beschäftigen möchtest, kannst du den kostenlosen Pferde-Elementetest ausprobieren. Auch Mischtypen sind möglich.
Der Test regt dazu an, eigene Beobachtungen einzuordnen und dein Pferd aus einem weiteren Blickwinkel kennenzulernen. Eine individuelle TCVM-Beurteilung ersetzt er nicht.
Wenn du über die Typenbeschreibung hinaus auf Vorgeschichte, Alltag und aktuelle Veränderungen schauen möchtest, findest du hier Informationen zur mindandhooves Startbegleitung.
Die fünf Elemente im Jahreslauf
Dieser Beitrag ist Teil 1 unserer jahreszeitlichen Reihe. Weiter geht es mit Wasser im Winter, Holz im Frühling, Feuer im Sommer und Erde im Spätsommer. Jeder Teil bekommt eigene Impulse für Mensch und Pferd und den Abschnitt „Was bedeutet das für mein Pferd?“.
Für diesen Herbst darf es klein anfangen: eine passende Mahlzeit für dich, ein aufmerksamer Blick auf den Ruheplatz deines Pferdes oder ein gemeinsamer Moment draußen.
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